Delikatessen Jäger seit 1961, ein Interview

Delikatessen Jäger, ein Slow Food-Kaufmannsladen!

Charakterstarke Produkte!

Seit 1961 ist das Delikatessengeschäft Jäger der Inbegriff für ehrliche Lebensmittel in Klagenfurt. Schon immer waren regionale, saisonale und natürliche Produkte die erste Wahl für ihr Verkaufsregal. Mit dem Beitritt zur Mitgliedschaft von Slow Food international im Jahr 1990, ist Dr. Erwin Jäger wohl als Pionier der Slow Food Bewegung zu nennen.

Danke an dieser Stelle für das Gespräch mit Dr. Erwin Jäger und seiner Tochter Mag. Doris Jäger.

Viele der Produkte im Delikatessengeschäft Jäger sind biodeklariert. Direkte Kontakte zu Bauern, also der Quelle ihrer Produkte, sind nach wie vor selbstverständlich.

So meint Erwin Jäger:

„Wir schauen schon auch hinter die Kulissen unserer Lieferanten, um zu sehen wie die Tierhaltung aussieht oder der Wein produziert wird. Unsere Kunden setzen authentische und ehrliche Produkte voraus. Alles in unserem Regal ist nachvollziehbar. Den Zwischenhandel gibt es nicht!“

Den Jäger dürfte es eigentlich nicht mehr geben!

Der Einkauf für so ein Delikatessengeschäft erweist sich als schwierig. Seit März wird Erwin Jäger von seiner Tochter Doris Jäger darin unterstützt. Das Bestreben von Doris Jäger ist es, ihren KundInnen die schwere Suche nach transparenten und nachvollziehbaren Lebensmitteln zu ersparen. „Diese Entscheidung möchte ich meinen KundInnen gerne abnehmen“ so Doris Jäger. Einem Service, das heute kaum noch zu finden ist.

Die eigene Region zu stärken, im geschlossenen Kreislauf zu denken, den Euro in der Region zu halten und damit die Kaufkraft nicht abfließen zu lassen, sind Tag für Tag Herausforderungen, denen man sich stellt. Dafür braucht es aufgeklärte Konsumenten, die mit Bewusstsein einkaufen.

Doch eines zählt immer: die Sicherheit mit dem Kauf einen heimischen Produzenten unterstützt zu haben. Dafür gibt es den „Jäger“, so sind sich beide einig.

Ethik und nicht Prozente zählen!

Hinter jedem Produkt stehen Menschen, die noch von ihren Eltern und Großeltern gelernt haben, ehrliche Produkte herzustellen und dieses tradierte Wissen an die nächste Generation weitergeben. Es braucht dafür aber auch Menschen, die das Erkennen und diese Produkte kaufen.

Erwin Jäger:

„Wir vertreten die Grundidee die Carlo Petrini (der Gründer von Slow Food international) propagiert hat. Slow Food als Bewegung oder Lebenshaltung geht davon aus, dass die Menschen dort abgeholt werden, wo sie geradestehen. Wenn sie diese Lebenseinstellung erst zu 30 oder 40% leben und sie interessiert sind in diese Entwicklung hineinzuwachsen, dann sind diese Menschen für uns enorm wichtig, denn es findet Bewusstseinsveränderung statt!“

Doris Jäger:

„Die selbstständige Auseinandersetzung mit Lebensmitteln verlangt Weiterentwicklung. Es ist eine Erfahrung, eine Beziehung und eine Partnerschaft, die man zu seinem Essen aufbaut. Etwas lebendiges!“

Das Warensortiment von Delikatessen Jäger umfasst ca. 3.000 Produkte, mit einer sehr breiten Feinkost, Obst- und Gemüse-, als auch Wein- und Bierauswahl. Ethik ist innerhalb der Produktauswahl selbstverständlich. Immerhin beinhaltet das Produktsortiment 25% Slow Food Produkte. Doris Jäger hat hierbei ihre Prinzipien, die sie verfolgt und hochhält. Ein Prinzip von ihr ist, immer zu hinterfragen und dadurch ihren Kunden Mehrwert zu bieten.

Das Berühren aller 5 Sinne!

Sowohl Erwin als auch Doris Jäger ist es enorm wichtig Bewusstsein zu schaffen. Was in Kindergärten und Schulen begonnen werden könnte, wäre als Erwachsener ein kritischer Genussgeist. Essen soll und darf nicht selbstverständlich sein, so die beiden. Essen ist Emotion und hat enorm viele Facetten. Von der Pflanze zur Ernte, von der Ernte zur Verarbeitung, von der Verarbeitung zum Kochprozess.

Die Beziehungsarbeit zählt. Sowohl die zum Essen als auch die zum Kunden. Denn auch das ist für die Jäger’s ein Teil von Slow Food. Man kennt die Kunden, die Kunden wiederum kennen das Personal! Man kennt die Qualität der Ware und wiederum wo die Ware in welchem Regal steht. Es ist alles langsam gewachsen, ähnlich eines Prozesses eines Lebensmittels.

Das Berühren aller 5 Sinne ist ihr Credo und das funktioniert selbst bei Online Bestellungen, denn hier wird immer telefonisch nachgefragt, um dem Kunden den gewohnt persönlichen Kontakt zu bieten.

„Slow“ bedeutet bei Delikatessen Jäger also weit mehr: es bedeutet „authentische Produkte mit Geschichte“,  „ehrliche Kundenbeziehungen“ und „motivierte Mitarbeiter als die Säulen des Unternehmens“.

Doris Jäger:

„Unser Geschäft gibt Inspiration und Kreativität. Wir haben auf ganz kleinem Raum so viele ehrliche Produkte und das macht einfach Lust auf mehr.“

Kontakt Delikatessen Jäger:
Radetzkystraße 38-40
A-9020 Klagenfurt
Tel.: 0463 / 57 354

Öffnungszeiten
Mo.-Fr. 7–18 h, Sa. 7–13 h

(Das Interview führte Mag. Suzanne Kuttnig-Urbanz, DIE DAMPFGARERIN)

Was Erwin Jäger noch ergänzte,

Delikatessen Jäger, ein Slow Food Kaufmannsladen

aus diesem Grund entschied sich Erwin Jäger schon im Jahr 1996 bei Slow Food International Mitglied zu werden. Die Begeisterung hielt an und er gründete 2006 gemeinsam mit Herwig Ertl Slow Food Carinthia in Kärnten, um die Philosophie, guten Geschmack, hochwertige Qualität, Regionalität und Saisonalität zu unterstützen und zu verbreiten

Delikatessen Jäger dürfte es eigentlich schon seit Jahrzehnten nicht mehr geben

Nach heutiger betriebswirtschaftlicher Erkenntnis ist ein so kleines Lebensmittelgeschäft schon seit langer Zeit nicht mehr rentabel zu führen. Zum einen beschäftigt Delikatessen Jäger gleich viele MitarbeiterInnen wie ein 1.000 m2 großer Supermarkt, zum anderen ist der logistische Zeitaufwand wegen der vielen kleinen Produzenten enorm. Die Realität zeigt uns, dass dieses Geschäft auch noch heute erfolgreich geführt werden kann.

Erwin Jäger: „Wir vertreten die Grundidee, die Carlo Petrini (der Gründer von Slow Food International) propagiert hat. Slow Food als Bewegung oder Lebenshaltung geht davon aus, dass interessierte Menschen nicht von vornherein 100 %ig nach den Slow Food Prinzipien leben. Mitglieder werden aufgenommen, auch wenn sie nach dieser Lebenseinstellung erst zu 10,  30 oder 50% leben. Für die Slow Food Bewegung ist es wichtig, dass sich Mitglieder  weiterentwickeln, um einen höheren Grad an Slow Food Bewusstsein zu erreichen.

Persönliche Verantwortung übernehmen

Hinter jedem Produkt stehen Menschen! Viele von ihnen haben noch von ihren Eltern und Großeltern gelernt,

Verbundenheit mit den Kunden

Die Beziehungsarbeit zählt. Sowohl die zum Essen als auch die zum Kunden.