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Carlo Petrini – Botschaft zum Jahreswechsel

Testo alternativo

Liebe Freundin, lieber Freund,

dieses furchtbare Jahr 2020 hinterlässt Wunden auf verschiedenen Ebenen. Wir waren so auf die Pandemie konzentriert, dass wir unseren ohnehin nicht allzu aufmerksamen Blick unweigerlich abgewendet haben von all den anderen schweren Krisen, die die Menschheit bedrohen, allen voran der Klimakrise. Dabei hat sich die Lage ja nicht verbessert und wir müssen uns mit allen Kräften und voller Entschlossenheit dafür einsetzen, das Ruder herumzureißen, bevor es zu spät ist.

Obwohl der Gesundheitsnotstand und die daraus resultierende Krise auch Slow Food hart getroffen haben, haben wir unsere Ziele weiterhin erhobenen Hauptes verfolgt und sogar versucht, noch mehr zu tun. Denn wir sind uns bewusst, dass unsere Zukunft auf dem Spiel steht – und zwar in beispiellosem Ausmaß. Slow Food wird sich weiterhin für den Erhalt der Biodiversität und den Schutz der Umwelt einsetzen. Denn Pandemien werden ja eben von einem Ungleichgewicht zwischen Mensch und Umwelt ausgelöst, das darf man nicht vergessen.

 

Deshalb ist es jetzt so wichtig wie nie zuvor, dass wir uns nicht unterkriegen lassen. Wir können und müssen uns für den Wandel einsetzen, indem wir uns auf den Ort zurückbesinnen, an dem alles seinen Ausgang nimmt: die Erde!

 

Slow Food beschäftigt sich seit über dreißig Jahren mit Themen wie Kreislaufwirtschaft, nachhaltige Entwicklung, Rückkehr zu einer Identifikation mit Land und Leuten und Gründung neuer Gemeinschaften.

 

Unsere Projekte brauchen Sie und Ihre Unterstützung.

Unterstützen Sie Slow Food!
Unterstützen Sie Slow Food!

Wenn Sie – genau wie wir – möchten, dass Kindern in ihrer Schule ein Schulgarten unter freiem Himmel zur Verfügung steht; wenn Sie – genau wie wir – möchten, dass die Bauern sich nicht aufgrund der globalen Krise dem Druck der Märkte unterwerfen müssen; wenn auch Sie möchten, dass vom Aussterben bedrohte Produkte dank virtuoser Wirtschaftsprojekte ihren Platz auf den Märkten finden; wenn Sie – genau wie wir – möchten, dass die Erzeuger und Köche traditionelle Anbau- und Verarbeitungstechniken am Leben erhalten – dann unterstützen Sie auch in Zukunft Slow Food.

 

Nahrungsmittel sind unsere Zukunft. Damit Nahrungsmittel gut, sauber und fair für alle sind, muss es hier und jetzt Menschen geben, die sie verantwortungsvoll und nachhaltig herstellen. Aus diesem Grund braucht die Welt Slow Food – das ist meine Meinung. Nema (Produzentin des Comoé Red Rice Presidio in Burkina Faso), Zarasisa (ein indigener Bauer aus Ecuador), laut Jim (ein Aktivist für soziale Gerechtigkeit und Inklusionsfragen), Reena (Sprecherin der Slow Food Gemeinschaft von Negros Island), Dino (Sprecher einer Slow Food Gemeinschaft in Kroatien) und viele andere stimmen mir voll und ganz zu.

 

Werden Sie Teil des Wandels. Werden Sie aktiv. Kämpfen wir gemeinsam für gute Nahrungsmittel, für eine gesunde Welt und für eine bessere Zukunft. Selbst kleine Gesten können Großes bewirken: Unterstützen Sie uns mit einer Spende, denn nur gemeinsam können wir etwas verändern.

 

Lassen wir die Erde und die Nahrungsmittel Ausgangspunkte für unseren Neuanfang sein.

In Freundschaft,

Testo alternativo

Carlo Petrini

Präsident von Slow Food

Unterstützen Sie Slow Food!

Unterstützen Sie Slow Food!

Delikatessen Jäger seit 1961, ein Interview

Delikatessen Jäger, ein Slow Food-Kaufmannsladen!

Charakterstarke Produkte!

Seit 1961 ist das Delikatessengeschäft Jäger der Inbegriff für ehrliche Lebensmittel in Klagenfurt. Schon immer waren regionale, saisonale und natürliche Produkte die erste Wahl für ihr Verkaufsregal. Mit dem Beitritt zur Mitgliedschaft von Slow Food international im Jahr 1990, ist Dr. Erwin Jäger wohl als Pionier der Slow Food Bewegung zu nennen.

Danke an dieser Stelle für das Gespräch mit Dr. Erwin Jäger und seiner Tochter Mag. Doris Jäger.

Viele der Produkte im Delikatessengeschäft Jäger sind biodeklariert. Direkte Kontakte zu Bauern, also der Quelle ihrer Produkte, sind nach wie vor selbstverständlich.

So meint Erwin Jäger:

„Wir schauen schon auch hinter die Kulissen unserer Lieferanten, um zu sehen wie die Tierhaltung aussieht oder der Wein produziert wird. Unsere Kunden setzen authentische und ehrliche Produkte voraus. Alles in unserem Regal ist nachvollziehbar. Den Zwischenhandel gibt es nicht!“

Den Jäger dürfte es eigentlich nicht mehr geben!

Der Einkauf für so ein Delikatessengeschäft erweist sich als schwierig. Seit März wird Erwin Jäger von seiner Tochter Doris Jäger darin unterstützt. Das Bestreben von Doris Jäger ist es, ihren KundInnen die schwere Suche nach transparenten und nachvollziehbaren Lebensmitteln zu ersparen. „Diese Entscheidung möchte ich meinen KundInnen gerne abnehmen“ so Doris Jäger. Einem Service, das heute kaum noch zu finden ist.

Die eigene Region zu stärken, im geschlossenen Kreislauf zu denken, den Euro in der Region zu halten und damit die Kaufkraft nicht abfließen zu lassen, sind Tag für Tag Herausforderungen, denen man sich stellt. Dafür braucht es aufgeklärte Konsumenten, die mit Bewusstsein einkaufen.

Doch eines zählt immer: die Sicherheit mit dem Kauf einen heimischen Produzenten unterstützt zu haben. Dafür gibt es den „Jäger“, so sind sich beide einig.

Ethik und nicht Prozente zählen!

Hinter jedem Produkt stehen Menschen, die noch von ihren Eltern und Großeltern gelernt haben, ehrliche Produkte herzustellen und dieses tradierte Wissen an die nächste Generation weitergeben. Es braucht dafür aber auch Menschen, die das Erkennen und diese Produkte kaufen.

Erwin Jäger:

„Wir vertreten die Grundidee die Carlo Petrini (der Gründer von Slow Food international) propagiert hat. Slow Food als Bewegung oder Lebenshaltung geht davon aus, dass die Menschen dort abgeholt werden, wo sie geradestehen. Wenn sie diese Lebenseinstellung erst zu 30 oder 40% leben und sie interessiert sind in diese Entwicklung hineinzuwachsen, dann sind diese Menschen für uns enorm wichtig, denn es findet Bewusstseinsveränderung statt!“

Doris Jäger:

„Die selbstständige Auseinandersetzung mit Lebensmitteln verlangt Weiterentwicklung. Es ist eine Erfahrung, eine Beziehung und eine Partnerschaft, die man zu seinem Essen aufbaut. Etwas lebendiges!“

Das Warensortiment von Delikatessen Jäger umfasst ca. 3.000 Produkte, mit einer sehr breiten Feinkost, Obst- und Gemüse-, als auch Wein- und Bierauswahl. Ethik ist innerhalb der Produktauswahl selbstverständlich. Immerhin beinhaltet das Produktsortiment 25% Slow Food Produkte. Doris Jäger hat hierbei ihre Prinzipien, die sie verfolgt und hochhält. Ein Prinzip von ihr ist, immer zu hinterfragen und dadurch ihren Kunden Mehrwert zu bieten.

Das Berühren aller 5 Sinne!

Sowohl Erwin als auch Doris Jäger ist es enorm wichtig Bewusstsein zu schaffen. Was in Kindergärten und Schulen begonnen werden könnte, wäre als Erwachsener ein kritischer Genussgeist. Essen soll und darf nicht selbstverständlich sein, so die beiden. Essen ist Emotion und hat enorm viele Facetten. Von der Pflanze zur Ernte, von der Ernte zur Verarbeitung, von der Verarbeitung zum Kochprozess.

Die Beziehungsarbeit zählt. Sowohl die zum Essen als auch die zum Kunden. Denn auch das ist für die Jäger’s ein Teil von Slow Food. Man kennt die Kunden, die Kunden wiederum kennen das Personal! Man kennt die Qualität der Ware und wiederum wo die Ware in welchem Regal steht. Es ist alles langsam gewachsen, ähnlich eines Prozesses eines Lebensmittels.

Das Berühren aller 5 Sinne ist ihr Credo und das funktioniert selbst bei Online Bestellungen, denn hier wird immer telefonisch nachgefragt, um dem Kunden den gewohnt persönlichen Kontakt zu bieten.

„Slow“ bedeutet bei Delikatessen Jäger also weit mehr: es bedeutet „authentische Produkte mit Geschichte“,  „ehrliche Kundenbeziehungen“ und „motivierte Mitarbeiter als die Säulen des Unternehmens“.

Doris Jäger:

„Unser Geschäft gibt Inspiration und Kreativität. Wir haben auf ganz kleinem Raum so viele ehrliche Produkte und das macht einfach Lust auf mehr.“

Kontakt Delikatessen Jäger:
Radetzkystraße 38-40
A-9020 Klagenfurt
Tel.: 0463 / 57 354

Öffnungszeiten
Mo.-Fr. 7–18 h, Sa. 7–13 h

(Das Interview führte Mag. Suzanne Kuttnig-Urbanz, DIE DAMPFGARERIN)

Was Erwin Jäger noch ergänzte,

Delikatessen Jäger, ein Slow Food Kaufmannsladen

aus diesem Grund entschied sich Erwin Jäger schon im Jahr 1996 bei Slow Food International Mitglied zu werden. Die Begeisterung hielt an und er gründete 2006 gemeinsam mit Herwig Ertl Slow Food Carinthia in Kärnten, um die Philosophie, guten Geschmack, hochwertige Qualität, Regionalität und Saisonalität zu unterstützen und zu verbreiten

Delikatessen Jäger dürfte es eigentlich schon seit Jahrzehnten nicht mehr geben

Nach heutiger betriebswirtschaftlicher Erkenntnis ist ein so kleines Lebensmittelgeschäft schon seit langer Zeit nicht mehr rentabel zu führen. Zum einen beschäftigt Delikatessen Jäger gleich viele MitarbeiterInnen wie ein 1.000 m2 großer Supermarkt, zum anderen ist der logistische Zeitaufwand wegen der vielen kleinen Produzenten enorm. Die Realität zeigt uns, dass dieses Geschäft auch noch heute erfolgreich geführt werden kann.

Erwin Jäger: „Wir vertreten die Grundidee, die Carlo Petrini (der Gründer von Slow Food International) propagiert hat. Slow Food als Bewegung oder Lebenshaltung geht davon aus, dass interessierte Menschen nicht von vornherein 100 %ig nach den Slow Food Prinzipien leben. Mitglieder werden aufgenommen, auch wenn sie nach dieser Lebenseinstellung erst zu 10,  30 oder 50% leben. Für die Slow Food Bewegung ist es wichtig, dass sich Mitglieder  weiterentwickeln, um einen höheren Grad an Slow Food Bewusstsein zu erreichen.

Persönliche Verantwortung übernehmen

Hinter jedem Produkt stehen Menschen! Viele von ihnen haben noch von ihren Eltern und Großeltern gelernt,

Verbundenheit mit den Kunden

Die Beziehungsarbeit zählt. Sowohl die zum Essen als auch die zum Kunden.

 

SLOW FOOD in Zeiten wie diesen…..

„Wir müssen uns darauf einstellen, dass es das Normale nicht mehr gibt. Es gibt auch nicht das neue Normale. Es gibt nur die dauerhafte Veränderung. Und wer diese ohne Angst, mit Zuversicht und Mut anpackt, der hat vermutlich ein relativ gutes Leben.“ Zitat Miriam Meckel, Journalistin, Autorin, Deutschland

Liebe Mitglieder!
ich habe dieses Zitat an den Anfang meines Emails gestellt, weil es für mich d i e drei wesentlichen Attribute des Hier und Jetzt beinhaltet:

VERÄNDERUNG, weil nur die permanente Veränderung unser Wissen und unsere Erfahrung zu sichern hilft.
ZUVERSICHT, weil es ohne Zuversicht keine Hoffnung gibt.
MUT, weil es Mut braucht um aus Krisen gestärkt hervorzugehen.

Wenn Sie sich jetzt denken, das ist zu pathentisch oder es sind nur Überschriften, dann möchte ich ihr Augenmerk auf unsere Bewegung richten.

Unsere Produzenten und viele Gastronomen haben den Kampf gegen Corona bewußt aufgenommen.
Produzenten haben sich zusammen getan und Lieferdienste organisiert. Gastronomen haben aus ihren stationären Küchen Abholstationen gemacht. Einige von ihnen haben auch weit über ihren eigentlichen Wirkungskreis hinaus die Konsumenten beliefert. Die Lebensmittel und Speisen bekamen einen existenziellen Stellenwert. Für die Anbieter und uns Verbraucher. Wir erinnern uns noch ganz gut, einfach einkaufen gehen war nicht. Es gab Einschränkungen die uns zuhause bleiben liesen.

Was haben wir hoffentlich daraus gelernt?
Uns Verbrauchern wurde die Nähe zum Produzenten noch bewußter. Besser noch, sie sind bis vor unsere Haustüre gekommen.
Wir haben die nachhaltig produzierten Lebensmittel noch mehr schätzen gelernt und wir sind noch kritischer gegenüber der Lebensmittelindustrie geworden.
Wir lassen uns jetzt noch weniger ein X (€3,90/kg Huhn) für ein U (Bio Produkt) verkaufen.

Wie wird die Zukunft aussehen?
Niemand von uns kennt sie. Aber wir alle wissen, ohne Veränderung, Zuversicht und Mut schaut unsere und die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder düster aus.

Ich möchte aber bewußt nicht mit einem negativen Gedanken schließen und darf daher ihre Aufmerksamkeit auf die bevorstehenden Tage der Alpe-Adria Küche, Klagenfurt 2020 lenken. Vom 17. – 27.9. gibt es in und um Klagenfurt zahlreiche Veranstaltungen, kulinarische Highlits und Möglichkeiten Produzenten, Köchen und Köchinnen in und um Klagenfurt zu begegnen. Nutzen sie die Chance! Mit dem gesundheitlich zuträglichen Abstand und den mittlerweile schon zur Gewohnheit gewordenen hygenischen Maßnahmen bin ich guten Mutes, dass wir hier ein Zeichen der Zuversicht setzen werden.

Ich freue mich auf die Begegnung mit ihnen, mit euch

herzlich
Klaus Schauer, Obmann

Wir leben in interessanten Zeiten. Mögen sie bald vorbei sein!

Liebe Mitglieder!

Ostern ist und niemand geht hin!

Was in Zeiten vor der Krise als müder Scherz abgetan wurde, ist heute am Vorabend des Gründonnerstages bittere Realität.

Wir bleiben zuhause, tragen Schutzmasken, kümmern uns um unsere älteren Mitbürger und die gefährdeten Personen. Wir versuchen Kinder, Arbeit, Haushalt und Freizeit unter einen Hut zu bringen,

Wir arbeiten im Homeoffice und versuchen in außerordentlichen Zeiten so etwas wie Normalität in den – oft beengten Alltag – einfließen zu lassen.

Manche von uns haben sich sicher gefragt, was tun wir eigentlich bei Slow Food. Wofür steht unser Convivium? Was bedeuten die Sätze von Carlo Petrini in Zeiten der existentiellen Krise?

Slow Food  ist eine Non-Profit-Organisation, die für den Erhalt von lokalen Esskulturen, Produkten und Traditionen einsteht. Seit ihren Anfängen ist Slow Food zu einer Bewegung mit Millionen Anhängern in 160 Ländern herangewachsen. Die Grundidee von Slow Food ist, dass Essen mit einer Vielzahl von Aspekten in unserem Leben wie Kultur, Politik, Agrikultur und Umwelt in Verbindung steht – und dass wir dadurch die Art, wie Essen angebaut, produziert und vertrieben wird, mit unseren Entscheidungen prägen.“(Zitat aus „Die Arche des Geschmacks“)

 Ich kann nur für mich sprechen. Mir ist jetzt noch mehr bewusst, wie zerbrechlich unsere Umwelt geworden ist. Nicht nur im Sinne der Klimakatastrophe oder verseuchter Flüsse und kranker Wälder.

Mein Bewusstsein richtet sich viel mehr auf das Unmittelbare. Auf mein Einkaufsverhalten. Auf die Produkte die ich verwende. Woher ich das Fleisch für das Gulasch beziehe, wer mir mein Gemüse liefert und anbaut, woher die Eier für meinen Ingwerkuchen stammen, welchen Wein ich trinke und welches Bier ich zur Osterjause trinke. Woher der Schinken, woher die Selchwürste und aus welchem Maul des Kalbs-Schweins oder Rindszunge stammt.

Jetzt gilt es noch mehr unseren einheimischen Produzenten unter die Arme zu greifen. Ob Demeter, Bio oder herkömmlicher Produzent, das alles ist jetzt zweitrangig. Regional ist jetzt Slow Food.

Wenn die Zeiten wieder weniger aufregend und fordernd sind, dann dürfen wir uns wieder den semantischen Wortklaubereien, dem „Ich bin aber mehr Slow Food als Du“ und anderen Kindereien widmen.

Liebe Mitglieder, ich wünsche allen Betroffenen, dass sie das Licht am Ende des Tunnels schon hell leuchten sehen. Ostern ist nicht zufällig das Fest der Auferstehung. Und in diesem Fall glaube ich ganz fest daran, dass es nach den Osterfeiertagen wieder aufwärts und vorwärts geht.

Es ist mir ein Anliegen ihnen ein gesegnetes Osterfest zu wünschen. Auch wenn der Kreis ihrer Familie heuer nur virtuell gebildet werden kann. Ich wünsche ihnen auch viel Kraft ihre persönliche Krise zu überstehen. Wenn wir uns wieder begegnen, sollten wir im Tal der Tränen soviel gelernt haben, dass wir etwas achtsamer mit unserer Existenz umgehen.

ihr

Klaus Schauer

Obmann